Im Juli ändert sich die Pflege von Orchideen oft von selbst. Die Fensterbank wird wärmer, die Temperatur im Gewächshaus steigt schneller an und die Töpfe trocknen manchmal viel schneller aus als im Frühjahr. Für manche Orchideen ist das kein Problem. Mehr noch: Bei der richtigen Kombination aus Wärme, Feuchtigkeit, Licht und Luftbewegung kann der Sommer sogar eine starke Wachstumsphase sein.
Dennoch ist „wärmeliebend“ ein Begriff, der schnell missverstanden wird. Eine wärmeliebende Orchidee ist nicht automatisch eine pflanze, die sorglos in der prallen Sonne stehen kann oder die ohne Risiko bei extremer Hitze versendet werden kann. Wärme wirkt sich nur dann positiv aus, wenn auch die übrigen Bedingungen stimmen.
In unserem Gewächshaus sehen wir das vor allem an den Wurzeln. Pflanzen, die aktiv wachsen, neue Wurzeltriebe bilden und ausreichend Feuchtigkeit erhalten, reagieren oft ganz anders auf sommerliche Hitze als Pflanzen, die gerade umgetopft, erst importiert wurden oder noch wenige aktive Wurzeln haben. Deshalb achten wir im Sommer nicht nur auf den Namen der Art, sondern auch auf den Zustand der pflanze und den Standort, an dem sie später stehen wird.
Was bedeutet „warmwüchsig“ bei Orchideen?
Bei Orchideen spricht man oft von kühlem, intermediärem oder warmem Wuchs. Damit ist gemeint, bei welcher Temperatur eine pflanze in der Natur oder in Kultur am besten wächst. Warmwachsende Orchideen stammen oft aus tropischen Tieflandgebieten oder aus Umgebungen, in denen die Temperaturen einen Großteil des Jahres über relativ hoch bleiben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie trockene Hitze mögen. In der Natur wachsen viele Orchideen als Epiphyten auf Bäumen. Dort erhalten sie Wärme, aber auch Luftbewegung, Morgentau, Regenschauer, Verdunstung und Schutz vor der stärksten Sonneneinstrahlung. Hinter Glas ist das anders. Eine warme Fensterbank ohne Luftbewegung kann für eine Orchidee belastender sein als ein warmes Gewächshaus, in dem die Luft feucht ist und ständig in Bewegung bleibt.
Die wichtigste Regel für den Sommer lautet daher ganz einfach: Wärme muss durch ausreichende Feuchtigkeit, Luftzirkulation und gefiltertes Licht ergänzt werden. Ohne dieses Gleichgewicht kann selbst eine wärmeliebende Orchidee unter Stress geraten.
Vandas: viel Licht, viel Luft und viel Feuchtigkeit
Vandas sind für viele Liebhaber die ersten Orchideen, an die man bei warmen Bedingungen denkt. Das ist logisch. Viele Vandas und vandähnliche Hybriden wachsen gut bei Wärme und viel Licht. Sie haben kräftige Luftwurzeln, die schnell Wasser aufnehmen und danach wieder austrocknen.
Gerade diese Wurzeln machen deutlich, was diese Gruppe braucht. Eine Vanda kann im Sommer kräftig wachsen, aber nur, wenn sie nicht dauerhaft austrocknet. Pflanzen, die hängend oder mit frei wachsenden Wurzeln gehalten werden, benötigen bei warmem Wetter oft viel häufiger Wasser als Orchideen im Topf. Manchmal ist tägliches Eintauchen oder Besprühen erforderlich, je nach Luftfeuchtigkeit und Standort.
Demgegenüber schätzen Vandas meist keinen stickigen, dunklen Standort. Sie brauchen Licht, Luft und Platz um die Wurzeln herum. Helle Mittagssonne hinter Glas kann jedoch zu intensiv sein, insbesondere bei jungen Pflanzen oder solchen, die nicht an direktes Sonnenlicht gewöhnt sind. Helles, gefiltertes Licht ist meist sicherer.
Vandas eignen sich daher besonders gut für Liebhaber, die regelmäßig gießen können und einen hellen Standort haben. Für ein trockenes Wohnzimmer, in dem wenig Zeit für die Pflege bleibt, ist eine Vanda oft weniger sinnvoll.
Phalaenopsis: warm genug für das Wohnzimmer, empfindlich gegenüber starker Sonne
Phalaenopsis ist eine ganz andere Orchideenart, aber ebenfalls eine Gruppe, die oft gut in warme Wohnzimmer passt. Viele Phalaenopsis-Arten und -Hybriden lieben gleichmäßige, warme Bedingungen und werden daher seit Jahren erfolgreich als Zimmerorchideen gehalten.
Im Sommer liegt die Gefahr bei Phalaenopsis meist nicht in der normalen Zimmertemperatur, sondern in direkter Sonneneinstrahlung durch die Fensterscheibe. Die Blätter sind relativ breit und können schnell Schäden davontragen, wenn die Sonne im Juli zu intensiv durch das Fenster scheint. Ein heller Standort ohne starke Nachmittagssonne ist besser als ein Standort, an dem sich die Blätter warm anfühlen.
Auch das Gießen erfordert im Sommer mehr Aufmerksamkeit. Ein Phalaenopsis in feiner Rinde kann schneller austrocknen als erwartet. Ein pflanze in Sphagnum oder einer feuchteren Mischung bleibt hingegen länger feucht. Es ist daher besser, auf die Wurzeln und das Substrat zu achten, als sich an einen festen Zeitplan zu halten. Silberfarbene, trockene Wurzeln benötigen in der Regel eher Wasser als frischgrüne Wurzeln in einem noch feuchten Topf.
Für viele Kunden bleibt Phalaenopsis eine der logischsten Entscheidungen für ein warmes Wohnzimmer, solange das pflanze Licht steht, nicht verbrennt und nicht ständig nass bleibt.
Cattleya und Brassavola-Verwandte: Sommerwachstum mit deutlicher Trockenphase
Cattleya-Orchideen und viele verwandte Hybriden können im Sommer stark auf Wärme und Licht reagieren. Sie bilden neue Triebe und neue Wurzeln und speichern Energie für die spätere Blüte. Ihre Pseudobulben bieten ihnen zudem eine gewisse Reserve, wodurch sie kurze Trockenphasen besser verkraften können als Orchideen ohne Speicherorgane.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Cattleya-Orchideen während des aktiven Wachstums trocken gehalten werden müssen. Wenn ein neuer Trieb und neue Wurzeln sichtbar sind, benötigt die pflanze gerade ausreichend Wasser und Nährstoffe. Der Unterschied liegt vor allem im Austrocknen: Cattleya-Orchideen stehen meist lieber nicht ständig nass. Ein luftiges Substrat, eine gute Drainage und ein deutliches Austrocknen zwischen den Wassergaben sind wichtig.
Der Einfluss der Brassavola-Gruppe kann für warme, helle Standorte interessant sein. Viele Brassavola-Arten und -Hybriden bevorzugen eine luftige Kultur und relativ viel Licht. Auch hier sind Nuancen wichtig: Viel Licht ist nicht dasselbe wie sengende Mittagssonne hinter Glas.
Diese Gruppe eignet sich gut für Menschen, die über eine helle Fensterbank, ein Wintergarten oder ein Gewächshaus verfügen und lernen möchten, die Wachstumsphasen zu beobachten. Wenn eine Cattleya aktiv Wurzeln schlägt, verträgt sie im Sommer viel. Wenn sie gerade umgetopft wurde oder nur wenige Wurzeln hat, muss die Pflege vorsichtiger aufgebaut werden.
Dendrobium: Zunächst sollten Sie wissen, welche Art Sie haben
Dendrobium ist eine der größten Orchideengattungen und daher auch eine der Gruppen, bei denen allgemeine Ratschläge schnell fehlschlagen können. Manche Dendrobien wachsen warm und aktiv weiter. Andere Arten benötigen hingegen eine kühlere oder trockenere Ruhephase, um gut zu blühen.
Deshalb ist die Aussage „Dendrobium verträgt Hitze“ zu pauschal. Bei Dendrobium müssen Sie immer auf die jeweilige Art achten. Wärmebedürftige, immergrüne Dendrobien können im Sommer sehr aktiv sein. Sie bilden neue Triebe, wurzeln kräftig und benötigen dann ausreichend Wasser und Nährstoffe. Andere Arten reagieren hingegen weniger gut auf anhaltende Hitze, insbesondere wenn sie aus kühleren Bergregionen stammen oder eine ausgeprägte Ruhephase benötigen.
Für den Webshop ist dies ein wichtiger Punkt, um weiterhin ehrlich zu kommunizieren. Dendrobium ist kommerziell interessant, aber die Pflege muss je nach Art oder Hybride weiterhin stimmen. Im Zweifelsfall ist es besser, sich an den Produkttext der jeweiligen pflanze zu halten, als eine allgemeine Dendrobium-Regel zu befolgen.
Catasetum und Verwandte: echte Sommerwachstumsarten, aber nicht für jeden geeignet
Catasetum und andere Catasetinae sind besondere Orchideen, da sie so deutlich mit den Jahreszeiten arbeiten. In der warmen Wachstumsphase können sie sich sehr schnell entwickeln. Neue Triebe werden in kurzer Zeit groß, die Wurzeln wachsen aktiv und die pflanze benötigt dann viel Wasser, Nährstoffe und Wärme.
Das macht sie sehr geeignet für Liebhaber, die das Sommerwachstum von Orchideen interessant finden. Im Juli kann ein gesundes Catasetum sichtbar an Tempo zulegen. Gleichzeitig handelt es sich hierbei nicht um eine Gruppe, die man das ganze Jahr über gleich behandelt. Wenn das Wachstum später abklingt und das pflanze in die Ruhephase übergeht, ändert sich die Pflege stark.
Für Anfänger, die sich eine einfache Zimmerorchidee wünschen, ist Catasetum daher nicht immer die erste Wahl. Für Sammler, die den Wachstumszyklus verstehen, ist sie hingegen eine der dankbarsten Gruppen in den warmen Monaten.
Welche Orchideen eignen sich bei sommerlicher Hitze weniger?
Nicht jede Orchidee gedeiht unter den warmen Juli-Bedingungen. Arten aus kühlen, feuchten Nebelwäldern können in einem warmen Wohnzimmer oder Gewächshaus sogar schnell verkümmern. Dazu gehören viele Masdevallia-Arten, Dracula-Arten und andere kühlere Pleurothallidinae. Diese Pflanzen bevorzugen oft niedrigere Temperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit und vor allem keine anhaltende trockene Hitze.
Auch manche Cymbidien und kühlere, Odontoglossum-ähnliche Orchideen sind nicht die naheliegendste Wahl für eine warme Fensterbank mitten im Sommer. Sie können unter den richtigen Bedingungen zwar gut wachsen, profitieren aber oft mehr von kühleren Nächten, Luftbewegung und Schutz vor Hitzespitzen.
Das bedeutet nicht, dass diese Orchideen unmöglich zu halten sind. Es bedeutet jedoch, dass sie ein anderes Mikroklima benötigen. Ein kühler Raum, ein gut belüftetes Terrarium oder ein klimatisiertes Gewächshaus können dann wichtiger sein als einfach nur „viel Licht“.
„Warm wachsen“ ist nicht dasselbe wie „sicherer Versand bei Hitze“
Diese Unterscheidung ist wichtig. Eine Orchidee, die bei Wärme wächst, wächst unter kontrollierten Bedingungen: mit Luft, Feuchtigkeit, Licht und Überwachung. Ein Paket ist etwas anderes. In einem geschlossenen Karton gibt es keine Luftzirkulation, keine Verdunstung, keine Schattenregulierung und keine Möglichkeit zum Gießen.
Daher kann es sinnvoll sein, den Versand während echter Hitzespitzen zu verschieben, auch bei Orchideen, die normalerweise gut mit warmen Bedingungen zurechtkommen. Insbesondere wenn Pakete länger unterwegs sind oder in warmen Lagern verbleiben, kann die Temperatur im Karton deutlich höher werden als die Temperatur, bei der die pflanze in einem Gewächshaus oder Wohnzimmer gut gedeiht.
Für die pflanze macht es einen Unterschied, ob Wärme Teil eines gesunden Wachstumsklimas ist oder ob sie in einer geschlossenen Verpackung entsteht. „Warm wachsend“ bedeutet also: geeignet für warme Anbaubedingungen, nicht automatisch geeignet für extreme Transporthitze.
Praktische Sommerkontrolle für zu Hause
Wer sich im Juli für eine Orchidee entscheidet, sollte zunächst die eigenen Bedingungen prüfen. Ist der Standort vor allem warm und hell? Dann könnten Vanda, Cattleya, Brassavola-Verwandte oder bestimmte warmwachsende Dendrobien interessant sein. Ist der Standort warm, aber nicht sehr hell? Dann ist Phalaenopsis oft die sinnvollere Wahl. Ist der Raum warm und trocken, sind Bewässerung und Luftfeuchtigkeit wichtiger als der Name der Orchidee.
Achten Sie im Sommer besonders auf aktives Wurzelwachstum. Grüne oder frisch wachsende Wurzelspitzen zeigen an, dass eine pflanze aktiv ist. Eine pflanze im aktiven Wachstum kann Wärme oft besser verwerten als eine pflanze, die stillsteht oder gerade Stress erlebt hat. Überprüfen Sie auch, ob der Topf schneller austrocknet als im Frühjahr. Viele Probleme entstehen nicht dadurch, dass die pflanze Wärme bekommt, sondern dadurch, dass sich Wasser, Schatten und Luftbewegung nicht entsprechend anpassen.
Ein warmer Sommer muss also kein Problem für Orchideen sein. Für viele Arten ist er sogar eine Wachstumsperiode. Die beste Wahl ist jedoch nicht die Orchidee, die „hitzebeständig“ ist, sondern die Orchidee, die zu den tatsächlichen Bedingungen in der Wohnung, im Wintergarten oder im Gewächshaus passt.




























