Paphiopedilum charlesworthii ist eine kompakte botanische Orchidee, bei der das Verhältnis zwischen pflanze und Blüte sofort ins Auge fällt. Über der bescheidenen Rosette erscheint eine einzige, relativ große Blüte, die von einem breiten, fast runden dorsalen Sepal dominiert wird. Die rosa Farbe und die dunklen Adern verleihen der Blüte einen grafischen Charakter, der sich deutlich von vielen anderen grünblättrigen Paphiopedilum-Arten unterscheidet.
Der Zusatz „Compact Type“ bezieht sich auf einen selektierten, kompakt wachsenden Typ innerhalb der Art. Es handelt sich nicht um eine eigenständige botanische Sorte. Einzelne Pflanzen können sich daher in Wuchsform, Farbintensität und der genauen Zeichnung der Blüte leicht voneinander unterscheiden.
Herkunft
Paphiopedilum charlesworthii kommt in der Natur in einem Gebiet vor, das sich von Assam und Myanmar bis nach Thailand und in den Westen von Yunnan in China erstreckt. Die Art wächst dort vor allem an geschützten Standorten in feuchten Bergregionen.
Die natürlichen Standorte liegen höher als die vieler wärmeliebender Paphiopedilum-Arten. Die Pflanzen wachsen zwischen Moos und organischem Material an schattigen Standorten, an denen die Wurzeln Feuchtigkeit finden, aber gleichzeitig ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die Temperaturen sind dort gemäßigt, und vor allem nachts kann es deutlich abkühlen.
Diese Herkunft erklärt, warum die Art in Kultur gut auf eine Kombination aus gemäßigten Temperaturen, gefiltertem Licht, einem gleichmäßig leicht feuchten Substrat und frischer Luftzirkulation reagiert.
Merkmale
Die pflanze bildet kompakte Fächer aus kräftigen, gleichmäßig grünen Blättern. Auf der Unterseite können um den Blattansatz herum violette Flecken sichtbar sein. Aufgrund der begrenzten Blattlänge nimmt diese Art wenig Platz ein und passt gut in eine spezialisierte Paphiopedilum-Sammlung.
Ein ausgewachsener Trieb bringt in der Regel eine Blüte hervor. Die Blüte kann etwa acht Zentimeter breit werden und wird von einem vergleichsweise kurzen Blütenstiel getragen. Dadurch steht die Blüte dicht über dem Blatt und es entsteht ein konzentriertes, fast monumentales Bild.
Der auffälligste Teil ist das breite Rückenblätchen. Dieses ist rosa bis hellrosa und mit dunkleren Längsnerven versehen. Die gelbgrünen Blütenblätter weisen eine feine, bräunliche, netzartige Zeichnung auf. Die schuhförmige Lippe ist in der Regel rosa-braun mit dezent dunkleren Adern. Durch das große dorsale Sepal wirkt die Blüte aus verschiedenen Blickwinkeln jeweils etwas anders geformt.
Bei jungen, noch nicht blühenden Pflanzen ist die genaue Blütenzeichnung unbekannt. Farbe, Nervatur und Blütenform können je nach Exemplar leicht variieren.
Pflege
Licht
Stellen Sie diese Paphiopedilum an einen hellen Standort mit hellem, gefiltertem Licht. Ein Fenster nach Osten oder Norden oder ein geschützter Platz an einem Westfenster ist in der Regel geeignet. Direkte, heiße Mittagssonne kann die Blätter schädigen.
Eine gesunde pflanze hat frischgrüne Blätter. Sehr dunkle Blätter und ausbleibende Blüte können auf zu wenig Licht hindeuten. Gelbgrüne oder rötlich verfärbte Blätter können hingegen bedeuten, dass die Lichtintensität zu hoch ist. Gewöhnen Sie eine neu erworbene pflanze immer schrittweise an einen helleren Standort.
Temperatur
Als grünblättrige Bergart schätzt Paphiopedilum charlesworthii gemäßigte bis kühle Bedingungen. Tagsüber sind etwa 18 bis 25 °C geeignet. Eine Nachttemperatur von etwa 13 bis 18 °C hilft dabei, den natürlichen Temperaturunterschied nachzuahmen.
Kurzzeitig höhere Temperaturen sind möglich, wenn die Luftfeuchtigkeit und die Luftzirkulation ausreichend sind. Anhaltende Hitze, insbesondere in Kombination mit stehender Luft und feuchtem Substrat, kann die pflanze schwächen. Im Winter darf die pflanze kühler stehen, schützen Sie sie jedoch vor kaltem Zugluft und anhaltend nassen Blättern.
Substrat und Anbaumethode
Verwenden Sie ein luftiges, feuchtigkeitsspeicherndes Orchideensubstrat auf der Basis von feiner bis mittelgrober Baumrinde, eventuell kombiniert mit Kokosfasern und einer geringen Menge Torfmoos. Die Mischung muss Feuchtigkeit gleichmäßig speichern, ohne zu verklumpen.
Ein relativ kleiner Topf ist vorzuziehen. In einem zu großen Topf bleibt die Mitte des Substrats leicht zu lange feucht. Setzen Sie den Blattansatz knapp über das Substrat und bedecken Sie das Herz der pflanze nicht. Eine zu tief gepflanzte Rosette ist anfälliger für Fäulnis.
Ersetzen Sie das Substrat, wenn es seine lockere Struktur verliert. Tun Sie dies vorzugsweise, wenn das pflanze neue Wurzelaktivität zeigt. Gesunde Paphiopedilum-Wurzeln sind fest und meist hellbraun bis cremefarben.
Luftfeuchtigkeit
Eine Luftfeuchtigkeit von etwa 50 bis 70 Prozent ist geeignet. In einem normalen Wohnzimmer kann die pflanze gut wachsen, solange sie nicht direkt über einem Heizkörper steht und das Substrat nicht vollständig austrocknet.
Bei höherer Luftfeuchtigkeit ist eine leichte Luftbewegung wichtig. Die Luft muss nicht stark am pflanze vorbeiströmen, darf aber auch nicht ständig stillstehen. Vor allem Feuchtigkeit, die lange im Inneren des pflanze verbleibt, kann Probleme verursachen.
Gießen
Halten Sie das Substrat gleichmäßig leicht feucht, aber niemals ständig durchnässt. Paphiopedilum charlesworthii hat keine Pseudobulben, in denen Wasser gespeichert werden kann, und verträgt daher keine längere vollständige Austrocknung. Gleichzeitig benötigen die Wurzeln Sauerstoff.
Gießen Sie erneut, wenn die oberste Schicht zu trocknen beginnt und sich der Topf deutlich leichter anfühlt. Verwenden Sie vorzugsweise entmineralisiertes Wasser bei Raumtemperatur. Gießen Sie morgens, damit eventuell zwischen den Blättern befindliche Feuchtigkeit im Laufe des Tages trocknen kann.
Lassen Sie eine neu erhaltene pflanze zunächst einige Tage akklimatisieren. Gießen Sie nicht automatisch sofort, sondern prüfen Sie zunächst, wie feucht das Substrat im Topf noch ist.
Düngung
Geben Sie während der aktiven Wachstumsphase regelmäßig einen schwach dosierten Orchideendünger. Eine niedrige Konzentration ist sicherer als eine gelegentliche starke Dosierung. Spülen Sie das Substrat zwischendurch mit entmineralisiertem Wasser, um angesammelte Nährsalze zu entfernen.
Wenn sich das Wachstum in den kühleren und dunkleren Monaten verlangsamt, kann auch die Düngemenge reduziert werden. Geben Sie niemals Dünger an eine stark ausgetrocknete pflanze oder an Wurzeln, die durch das Umtopfen beschädigt wurden.
Blüte
Die Art blüht meist im Spätsommer oder Herbst, wobei sich der genaue Zeitpunkt unter niederländischen Anbaubedingungen verschieben kann. Ein ausgewachsener Fächer bildet in der Regel eine Blüte aus. Diese bleibt bei gemäßigten Temperaturen relativ lange attraktiv.
Nach der Blüte bildet der alte Fächer keinen zweiten Blütenstiel aus. Die pflanze entwickelt aus der Basis neue Triebe, die nach ausreichendem Wachstum erneut blühen können. Ein heller Standort, mäßige Düngung und ein spürbarer Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen fördern die Entwicklung kräftiger, blühfähiger Triebe.
Pflegeaufwand
Der Pflegeaufwand ist durchschnittlich. Durch ihren kompakten Wuchs lässt sich die pflanze leicht unterbringen, doch die Kombination aus feuchten Wurzeln, einem luftdurchlässigen Substrat und gemäßigten Temperaturen erfordert etwas Aufmerksamkeit. Vor allem eine zu warme und zu feuchte Haltung stellt ein Risiko dar.
Wer es gewohnt ist, vor dem Gießen zunächst die Feuchtigkeit des Orchideensubstrats zu überprüfen, wird diese Art gut pflegen können.
Für wen geeignet?
Paphiopedilum charlesworthii ‚Compact Type‘ eignet sich besonders für Sammler, die botanische Paphiopedilums schätzen, aber nicht über unbegrenzten Platz verfügen. Die Art bietet eine große, charaktervolle Blüte an einem kompakt bleibenden pflanze.
Auch für Liebhaber, die ihre pflanze gerne bis zur ersten eigenen Blüte aufziehen möchten, ist dies eine interessante Wahl. Der Moment, in dem die noch unbekannte Farbverteilung und Aderung sichtbar werden, macht einen wichtigen Teil der Faszination aus.
Erfahrungen mit der Haltung im Haus oder Gewächshaus
Im Haus wächst diese Sorte gut auf einer hellen, nicht zu warmen Fensterbank. Ein kühleres Schlafzimmer, Arbeitszimmer oder ein unbeheizter Wintergarten können sehr gut geeignet sein, sofern die Temperatur nicht zu stark sinkt und ausreichend Tageslicht vorhanden ist.
In einem Gewächshaus sollte die pflanze am besten im kühleren, schattigen Bereich platziert werden. Achten Sie dort vor allem in heißen Perioden auf ausreichende Belüftung. Durch ihren kompakten Wuchs lässt sich die pflanze problemlos zwischen andere Paphiopedilums stellen, aber vermeiden Sie, dass größere Pflanzen ihr das gesamte Licht wegnehmen.
Zusätzlicher Pflegetipp
Achten Sie bei dieser kompakten Wuchsform regelmäßig darauf, dass sich kein Wasser tief zwischen den Blättern ansammelt. Gießen Sie vorzugsweise früh am Tag und gießen Sie nicht direkt in das Herz der Rosette. Eine trockene Blattkrone in Kombination mit leicht feuchten, luftigen Wurzeln verringert das Fäulnisrisiko erheblich.
Kurze Produktbeschreibung
Paphiopedilum charlesworthii ‚Compact Type‘ ist eine kompakt wachsende botanische Orchidee mit einer auffallend großen, einfachen Blüte. Das breite, rosa Rückensepal mit dunklen Adern bildet einen schönen Kontrast zu den gelbgrünen Blütenblättern und der rosabraunen Schuhlippe. Eine besondere Wahl für Sammler, die eine charaktervolle Paphiopedilum suchen, ohne dass die pflanze viel Platz einnimmt.